“Wir wollen Sie, wir brauchen Sie!”

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Die Senatorin für Kinder und Bildung möchte Anerkennungsverfahren vereinfachen

Der Fachkräftemangel ist auch an Bremer Schulen nicht zu übersehen. Neue Lehrkräfte stehen bereits in den Startlöchern – aber müssen vor ihrem Ziel noch einige Hürden überwinden. Lehrerinnen und Lehrer mit ausländischen Bildungsabschlüssen werden in dem Sprachkurs „Deutsch für Lehrkräfte aus aller Welt“ des IQ Netzwerk Bremen auf den Alltag im Klassenzimmer vorbereitet. Die Senatorin für Kinder und Bildung Dr. Claudia Bogedan hat sich am Donnerstag, 18. Oktober 2018, mit den Kursteilnehmenden über Chancen und Schwierigkeiten auf dem Weg in den Schuldienst ausgetauscht.

Auf der einen Seite hat Bremen einen Mangel an Lehrkräften, auf der anderen Seite gibt es ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer, die nichts lieber möchten, als wieder zu unterrichten. Doch sie dürfen nicht: Die Arbeitszulassung in Deutschland ist in kaum einem Beruf für Menschen mit ausländischen Abschlüssen so schwierig wie für Lehrkräfte. Sie müssen Deutsch auf muttersprachlichem Niveau (C2) beherrschen. Hinzu kommt ein langes, undurchsichtiges und uneinheitlich geregeltes Anerkennungsverfahren. Die Schulen schon während des Anerkennungsverfahrens als Lehrkräfte im Unterricht unterstützen, dürfen sie nicht. Dabei ist der Lehrkräftemangel deutlich.

„Einerseits hören wir, dass Lehrkräfte fehlen, aber andererseits kommen wir trotz mehrjähriger Berufserfahrung nicht ran“, erzählt Kursteilnehmerin und Englischlehrerin Olga Bloch.

Für mehr Transparenz: Bildungssenatorin Dr. Bogedan möchte das Anerkennungsverfahren für ausländische Lehrkräfte vereinfachen

Dass das Anerkennungsverfahren transparenter und schneller gestaltet werden muss, dessen ist sich die Bildungssenatorin bewusst: „Wir werden alles dafür geben, Sie schnell zurück in Ihren Beruf zu bringen. Ich bin heute hier, um Ihnen Mut zuzusprechen, um Ihnen zu sagen: Wir wollen Sie und wir werden alles dafür tun, den Weg für Sie an die Schulen einfacher zu gestalten.“

Ausländische Lehrkräfte – weit mehr als reine “Fachkräfte”

Die internationalen Lehrkräfte sind weit mehr als eine Antwort auf den Fachkräftemangel. Immer mehr Schülerinnen und Schüler haben eine Migrationsgeschichte. Sie sind ein Spiegel der steigenden Diverstität im Klassenzimmer. „Wir bringen neben langjähriger Lehrerfahrung interkulturelle Kompetenzen mit“, so Irina Holt, die bereits in Russland und den USA als Lehrerin gearbeitet hat. „Und für die ausländischen Schulkinder werden Sie Vorbilder sein“, ist sich die Bildungssenatorin sicher.

Szenario-Methode bringt mehr Praxisbezug in den Sprachkurs

Der „Deutschkurs für Lehrkräfte aus aller Welt“ bereitet Lehrkräfte auf den Berufsalltag in Schulen vor und geht dabei über reines Grammatik und Vokabeln Lernen hinaus. Das Kurskonzept wird in Bremen seit 2015 erprobt und erweitert: Lernen nach der „Szenario-Methode“. Die Bildungssenatorin zeigt sich beeindruckt von dem Konzept und der hohen sprachlichen Kompetenz der Lehrkräfte: „Das war sehr lebensnah“, äußert sie sich nachdem zwei Teilnehmerinnen ein Konfliktgespräch zwischen Lehrkraft und Eltern nachgespielt haben. Die Szenario-Methode ist eine Verzahnung von sprachlichem und fachlichem Unterricht. „Es kommt unmittelbar zur Anwendung einer berufsspezifischen Situation“, erläutert Fachdozentin Agnes Christ-Fiala.

Der „Deutschkurs für Lehrkräfte aus aller Welt“ ist ein Teilprojekt des bundesweiten IQ Netzwerks („Integration durch Qualifizierung“) und wird in Bremen in Kooperation mit der Senatorin für Kinder und Bildung im LIS durchgeführt. Gefördert wird der Sprachkurs aus Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) und des Europäischen Sozialfonds (ESF). Er bereitet die Lehrkräfte auf die sprachlichen Herausforderungen im Schulalltag vor. Neben berufsbezogenem Deutschunterricht haben die Kursteilnehmenden die Möglichkeit, in Bremer Schulen zu hospitieren.